Ich erinnere mich.
An Dinge,
auf die ich mich gefreut habe,
bevor sie passiert sind.
An Abende,
die schon vorher
ein kleines Versprechen waren.
Manchmal wurde daraus Ruhe.
Manchmal Euphorie.
Manchmal dieses völlig bescheuerte Lachen,
bei dem man irgendwann nicht mehr weiß,
warum man überhaupt lacht.
Schöne Erinnerungen.
Komisch,
wie selbstverständlich
dieses Wort früher war.
Schön.
Heute fühlt es sich manchmal
wie ein Schlag ins Gesicht an,
wenn jemand sagt:
„Mach doch am Wochenende
etwas Schönes.“
Etwas Schönes.
Und irgendwo in meinem Kopf
steht dann dieser Satz:
Ist Ihnen eigentlich klar,
dass ich Depressionen habe?
Dass ich jeden Tag
mit mir darüber verhandle,
ob es überhaupt einen Sinn hat,
noch einen weiteren Tag
dazuzunehmen?
Natürlich sage ich das nicht.
Ich nicke.
„Ja.“
Etwas Schönes.
Früher wusste ich nicht,
dass es schön werden würde.
Ich bin trotzdem los.
Wochenenden auf Tour.
Kamera dabei.
Und wie oft bin ich
nach Hause gekommen,
ohne ein einziges Foto?
Trotzdem bin ich wieder los.
Nicht,
weil ich wusste,
dass es schön wird.
Sondern weil ich daran geglaubt habe,
dass es schön werden könnte.
Das ist der Unterschied.
Diese verdammte,
leichtfüßige Hoffnung.
Dieser Glaube,
dass ein schlechter Abend
eben nur ein schlechter Abend ist.
Schulterzucken.
Weiter.
Wo ist das heute?
Keine Ahnung.
Beim Discounter
jedenfalls dauerhaft vergriffen.
„Mach etwas,
das dir Spaß macht.“
Ja.
Mach ich.
Macht mir trotzdem keinen Spaß.
„Dann versuch es nochmal.“
Warum?
Man zwingt doch auch niemanden,
etwas zu essen,
was ihm nicht schmeckt,
und serviert es ihm am nächsten Tag
noch einmal.
Und am übernächsten.
Und am überübernächsten.
Mit dem Hinweis:
Vielleicht schmeckt es diesmal.
Vielleicht.
Dieses Wort
war früher mein Freund.
Heute klingt es
wie eine Rechnung.
Ist das Frust?
Ach.
So was von.
Ich kann funktionieren.
Oh ja.
Ich kann stundenlang funktionieren.
Reden.
Lachen.
Machen.
Erledigen.
Da sein.
Ich kann aussehen,
als wäre alles in Ordnung.
Und dann bin ich allein
und kippe aus den Latschen.
Nicht dramatisch.
Einfach leer.
Als hätte jemand
den Stecker gezogen.
Und dann bezahle ich
für die Stunden,
in denen ich funktioniert habe,
mit Tagen voller Müdigkeit.
Erschöpfung.
Ich bin tief im Dispo
meines eigenen Körpers.
Und hoffe,
dass ich irgendwann
mal wieder etwas davon
zurückzahlen kann.
Das wäre schön.
Das wäre wirklich schön.
Hoffentlich klingelt
nur nicht vorher
das Inkassobüro.
„Guten Tag.
Wir wollten nur mal fragen,
wann Sie gedenken,
Ihren Körper zurückzuzahlen.“
Ich würde gern sagen:
Bald.
Wirklich.
Bald.
