Fünf Uhr dreißig.
Ein leiser Gong.
Dann noch einer.
Etwas lauter.
Ab und zu ein dritter.
Aber in der Regel
bin ich dann schon aus dem Bett.
Ich habe mich ja vorbereitet.
Seit drei Uhr nachts.
Im Fünfzehn-Minuten-Takt.
Augen auf.
Uhr anschauen.
Augen zu.
Warten.
Uhr anschauen.
Als müsste ich mich
persönlich davon überzeugen,
dass die Zeit tatsächlich
weiterläuft.
Fünf Uhr dreißig.
Aufstehen.
Mein erster Weg:
Küche.
Kaffeemaschine.
Während mein Becher sich füllt,
fülle ich den Shaker.
Proteinpulver.
Wasser.
Schütteln.
Exen.
Drei Tassen später
bin ich bereit.
Betriebsbereit.
Na ja.
Vielmehr habe ich
mein geliebtes morgendliches Ritual
vollzogen.
Eine Routine laufen lassen.
Das klingt ähnlich.
Ist aber etwas völlig anderes.
Ich bin gebürstet.
Gestriegelt.
Angezogen.
Haustür auf.
Los.
Alles funktioniert.
Nur…
nichts in mir
ist bereit.
Im Gegenteil.
Alles in mir
schreit.
Aus voller Brust.
Also…
metaphorisch gesprochen.
Natürlich.
Und während ich schreie,
sitzt mein innerer Kritiker
auf der Kutsche.
Vorne.
Ganz entspannt.
Schert sich einen Dreck
um das Geschrei.
Und schwingt die Peitsche.
Und ich?
Ich bin das gute,
über Jahre dressierte Pferd.
Also galoppiere ich.
Natürlich.
Was sollte ich sonst tun?
Ich bin ja
betriebsbereit.
Vielleicht ist ein Auto
der bessere Vergleich.
Die Motorleuchte
leuchtet dauerhaft.
Aber:
Nichts zu hören.
Nichts zu sehen.
Der Motor läuft.
Das Auto fährt.
Von A nach B.
Es macht,
was es soll.
Und genau darin
liegt wahrscheinlich
der ganze Irrsinn.
Es funktioniert.
Also fragt niemand,
warum die Lampe leuchtet.
Solange das Auto fährt,
ist doch alles gut.
Oder?
Und so habe ich meinen
inneren Konflikt
meistens schon vor Arbeitsbeginn
abgefrühstückt.
Und jetzt…
Tagesklinik.
Was das Ganze
irgendwie noch absurder macht.
Denn hier
muss ich eigentlich
gar nicht funktionieren.
Das hier ist doch
eher die Werkstatt.
Der Ort,
an dem jemand
gerne mal die Motorhaube
öffnen möchte.
Mal nachsehen.
Mal zuhören.
Vielleicht das Auslesegerät
anschließen.
Fehlercodes auslesen.
Und ich stehe daneben
und denke:
Aber…
er läuft doch.
Die Karre läuft.
Seit Jahren.
Morgens um fünf Uhr dreißig.
Kaffee.
Proteinshake.
Drei Tassen.
Zündung.
Losfahren.
Betriebsbereit.
Und irgendwo
leuchtet immer noch
diese verdammte Motorleuchte.
Aber…
läuft.
Und läuft.
Und läuft.
