Wie die Zeit verfliegt – so richtig realisieren kann ich es noch nicht.
Echten Alltag erlebe ich noch nicht. Vielmehr den täglichen Kampf. Aber gegen was oder gegen wen eigentlich? Es fühlt sich einfach alles anstrengend an. Noch habe ich den Punkt nicht gefunden, an dem ich mich über die kleinen Dinge, über die kleinen Erfolge wirklich freuen kann.
Ich male regelmäßig und es macht mir Spaß. Ich schreibe wieder regelmäßig und es macht mir Spaß. Ich bewege mich regelmäßig und auch das macht mir Spaß.
Aber tief in mir fühle ich es nicht. Und ich verstehe nicht, warum.
Viele kleine – und manchmal auch größere – schöne Momente nehmen mich fast täglich an die Hand und tragen mich ein Stück des Weges. In diesen Augenblicken bin ich ganz da. Ich erlebe sie. Ich genieße sie.
Doch wenn sie vorüberziehen, nicht sofort, aber nach und nach, bleibt eine spürbare Traurigkeit zurück.
Ich möchte das nicht mehr fühlen. Ja, ich kann diese Traurigkeit annehmen. Aber diesen Dauerzustand habe ich nicht abonniert. Er überfordert mich.
Wütend bin ich auf meine ambulante Therapie. Dass sich einfach niemand meldet und ich mich nun erneut auf die Suche begeben darf, ist für mich ein absolutes No-Go. Gerade nach einem Klinikaufenthalt sollte niemand in so einer Situation allein gelassen werden.
Erfreulich ist allerdings, dass mein Vorgespräch für die Tagesklinik vorgezogen wurde. Darüber freue ich mich wirklich.
Meine ständige Erinnerung, weniger hart mit mir selbst zu sein – oder, wie man mir immer wieder sagt: „meine zarte Seite zuzulassen“ (diese Worte stammen übrigens nicht von mir!) – wird kommende Woche ihren Weg auf meine Haut finden. Es wird vermutlich das Tattoo sein, das mir am meisten bedeutet. Eine weitere Idee für ein Motiv habe ich ebenfalls schon. Nur mit der Stelle hadere ich noch.
Der Abend legt sich grau über den Himmel – ein Spiegel meiner Stimmung. Und trotzdem weiß ich: Hinter diesen Wolken scheint die Sonne.
