#Tag 10
Ich vermisse ein extra für mich eingerichtetes elektronisches Postfach.
Dass Informationen hier über Fächer verteilt werden, habe ich überhaupt erst durch einen Mitbewohner erfahren, der versehentlich meine Post in den Händen hielt. Das Verfahren erscheint mir jedenfalls etwas altmodisch. Der Ausdruck „veraltet“ drängt sich gelegentlich ebenfalls auf.
Besondere Freude macht es, wenn Informationen über das Pflegepersonal übermittelt werden, die nach meiner bescheidenen Meinung durchaus auch in einem persönlichen Vier-Augen-Gespräch hätten mitgeteilt werden dürfen.
Aber es hilft ungemein, solche Dinge mit einem Augenzwinkern zu betrachten und sich nicht darüber zu ärgern. Die Kraft dafür brauche ich aktuell für andere Dinge.
Heute habe ich ganztägigen Ausgang. Gestern übrigens auch schon.
Man soll die Zeit sinnvoll nutzen. Am besten etwas Schönes machen. Etwas, das einem gut tut.
Leichter gesagt als getan.
Das hat vor der Klinik schließlich auch eher mittelmäßig funktioniert, und an mangelnder Zeit oder fehlenden Möglichkeiten lag es vermutlich nicht.
Meine aktuelle Strategie:
Touristenmütze auf und die Gegend erkunden.
Das funktioniert sogar überraschend gut.
Die Landschaft ist schön. Das Wetter spielt mit. Alles wirkt entspannt.
Und trotzdem begleitet mich heute eine tiefe Traurigkeit.
Das ist ätzend.
