#Tag 53
Heute werde ich erst einmal meinen halben Hausstand nach Hause bringen. Die Ambivalenz gegenüber dem bevorstehenden Ende bleibt bestehen – immerhin passt inzwischen alles Unnötige in den Koffer.
Kurz vor der Entlassung merke ich, dass es mir deutlich leichter fällt, zuzuhören. Nicht, dass ich das vorher nicht getan hätte, aber es kostet mich inzwischen viel weniger Energie. Gleichzeitig bleibt die Sorge, dass es nur eine Momentaufnahme sein könnte.
Zu Beginn meiner Therapie habe ich mich gefragt, warum die Patient:innen, die kurz vor ihrer Entlassung standen, so sehr damit gehadert haben. Jetzt verstehe ich es.
Es geht weiter – und doch ist da Tag 1 nach dem stationären Aufenthalt.
Wie geht es ambulant weiter? Falle ich in alte Muster? Bin ich stabil genug?
Viele Fragen über eine Zukunft, die ich schon nicht beantworten konnte, als ich gesund war. Warum sollte ich erwarten, dass ich das jetzt kann?
So weit wie möglich habe ich die kurzfristigen Dinge auf den Weg gebracht. Andere erfordern Entscheidungen – vor denen ich mich am liebsten drücken würde. Und wieder andere werden sich vermutlich erst mit der Zeit zeigen.
Ein Schritt nach dem anderen.
Meine größte Hoffnung – oder vielleicht eher mein größter Wunsch – ist, dass die anschließende therapeutische Weiterbehandlung möglichst schnell beginnt.
Ich wiederhole mich vielleicht ein wenig. Trotzdem bin ich mir sicher, dass die letzten Tage hier noch einiges mit sich bringen werden.
Etwas „Gossip“ zum Schluss:
Neben dem Verlust meiner geliebten Jeans haben inzwischen auch einige andere Kleidungsstücke ihren sofortigen Ruhestand eingereicht. Und eine nicht funktionierende Kaffeemaschine sorgt nicht nur bei den Patient:innen für leichte Verzweiflung.
…T – 4 Tage
