#Tag 45
Patient:innen kommen und gehen. Manche vielleicht für immer, einige nur für kurze Zeit, und wieder andere pflegen die gemeinsame Zeit miteinander. Irgendwie muss ich dabei immer wieder an die Pausen während der Schulzeit denken.
Highlight jeder Pause sind die Landungen des Hubschraubers – inklusive kostenlosem Peeling und, wer möchte, einer schnellen und ökologischen Haartrocknung. Irgendwie gehört auch das inzwischen zum Alltag. Genauso wie das schlechte Essen oder die nahezu nicht vorhandene Abwechslung beim Frühstück und Abendbrot.
Tatsächlich bin ich für diesen recht verlässlichen Alltag inzwischen dankbar. Darüber muss ich dann nicht nachdenken. Meine Kapazitäten sind mit meinen Gedanken und den vielen Aha-Momenten gut ausgelastet.
Ich glaube zu merken, dass es mir zunehmend leichter fällt, Gedanken zuzulassen. Mehr noch: sie zu benennen. Und zu wissen, dass ich manches anders möchte und dass es sich richtig anfühlt.
Trotzdem muss ich es üben. Ich muss aktiv anders denken. Es ist kein Automatismus, keine Selbstverständlichkeit.
Aber auch das ist okay.
Die Traurigkeit ist weiterhin da. Genauso wie andere, nicht positive Gedanken. Ich glaube allerdings, dass sie leiser geworden sind.
Vielleicht bin ich vorsichtig optimistisch.
Mit einer guten Brise Skepsis und Vorbehalt.
Aber deutlich mehr als noch an Tag 1.
