Halb Zehn in Deutschland. Ich nehme mir den ersten Teil unserer regionalen Zeitung vor. Erst die internationale Presse, eingekauft von Presse-Agenturen. Dann der überregionale Teil, der regionale Teil, die Kleinanzeigen, der Sportteil und letztlich die letzte Seite mit dem Wetter.

Erst überfliege ich die Schlagzeilen und suche nach genau den Schlagwörtern, die mich animieren, weiter zu lesen. Der Artikel über Griechenland wird überflogen sowie die anderen Kurzartikel. Ich blättere weiter in der Zeitung.

Kein Wort über die Ukraine. Ich frage mich, wie die Situation dort ist. Sicherlich schlecht. Ein Bürgerkrieg in Europa, der nicht mit einer Silbe als Bürgerkrieg erwähnt wird. Sanktionen gegen Russland, große Reden die zu nichts führen und ein Ende herbeiführen sollen. Für wie blöd müssen uns die Politiker eigentlich halten? Einen Bürgerkrieg weg reden? Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich bisher nur Kriege indirekt miterleben musste. Präsent sind mir die ersten beiden Irak-Kriege, Tschetschenien und Afghanistan. Musste ich jemals darunter leiden? Nein!

Ich bin noch beim ersten Teil der Zeitung, den internationalen Schlagzeilen. Denke an Syrien, den Irak und diverse afrikanischen Staaten, in denen Krieg herrscht. Der 2. Weltkrieg ist mittlerweile 70 Jahre her, aber ich frage mich, ob wir nicht schon seit geraumer Zeit in einem 3. Weltkrieg leben. Neben den genannten Ländern und den religiösen oder politisch motivierten Kriegen, gibt es auf der Welt Kriege oder Tote wegen Drogen oder der Hautfarbe. Fast täglich und immer mit aufwendig produzierten Reportagen.

So unglaublich viele Menschen, die ihr Land verlassen. Letztlich auch nur die, die es sich leisten können. Die ärmsten müssen unter diesen Kriegen leiden und mit ansehen, wie ihre Verwandten, Freunde und ihre Heimat sterben. Die, die sich die lebensmüde Überfahrt in das gelobte Land leisten können, werden entweder abgewiesen, zur Rückkehr gezwungen oder in Lager verfrachtet; in denen eventuell die Umstände besser erscheinen, aber die Unerwünschtheit alltäglich ist. Dann kann man darüber lesen, dass diese Flüchtlinge „fair“ in Europa verteilt werden sollen, neben dem Artikel einer rechts populistischen oder Mitte rechts gerichteten Partei, die gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ist. Unfassbar was in Europa passiert. Mit den Leben notleidender Menschen wird Wahlkampf gemacht.

Liebe Politiker, denkt ihr wirklich, dass diese Menschen aus freien Stücken ihre Heimat verlassen, Europa wirklich das gelobte Land ist? Was denkt ihr eigentlich wer wir sind? Erst in weniger wirtschaftlich entwickelten Ländern die Taschen füllen und dann mit minderwertigen Produkten subventionieren. Wie soll das bitte gut gehen? Diktatoren mit Geld und Rüstungsgütern ausstatten und bei missfallen austauschen, eine Demokratie einführen wollen und ohne, dass der einfache Pöbel rebelliert? Es mag sein, dass ihr Politiker so einfach denkt. Vielleicht sehe ich auch nicht den großen Zusammenhang, der zum Reichtum der wenigen Menschen auf dieser Welt führt (und zur Armut aller anderen). Aber ich sehe, dass sehr viel Geld da ist. Es uns gut geht. Nicht nur in Deutschland. Wir aber darüber diskutieren müssen, Flüchtlingsfamilien ein Obdach zu geben. Sie zu schützen. Diese Familien mit ihren Kindern haben ihre Heimat aus Angst aufgeben und müssen „im gelobten Land“ letztlich weiter in Unsicherheit leben.

Spenden an humanitäre Organisationen, die in diesen Ländern die dort gebliebenen unterstützen, können das Gewissen einen Moment entlasten.

Aber ich habe das Gefühl, dass der 3. Weltkrieg schon seit einer langen Zeit stattfindet und dass ich keine Idee habe, wie dieser Krieg, die Vielzahl der Kriege, ein Ende finden können.

Am Ende der Pause wird die Zeitung zusammengefaltet. Übrig bleibt die Diskussion über das Wetter.

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