#Tag 36
Die Wärme macht mir zu schaffen.
Müdigkeit und Kopfschmerzen gehören momentan dazu. Der wenige Schlaf beseitigt beides höchstens für kurze Zeit – und dann kommen die Gedanken.
Nach fünf Wochen trifft man nicht selten Mitpatient:innen wieder, die eigentlich schon entlassen wurden. Je nachdem, auf welcher Station sie vorher waren, wirkt es manchmal fast wie eine kleine Willkommensparty. Das ist irgendwie schön anzusehen – und gleichzeitig traurig. Manche drehen die Schleife ein weiteres Mal. Vielleicht wollen sie es. Vielleicht müssen sie es.
Diese Woche verlassen zwei Patienten die Station, mit denen ich so etwas wie eine Freundschaft auf Zeit geschlossen habe. Witzige, sarkastische und ironische Gespräche bleiben in Erinnerung, aber genauso die wirklich ernsten. Und die Tatsache, dass ich wirklich schlecht Schach spiele.
Die letzten Tage plätscherten irgendwie dahin. Ein wenig wie Stillstand.
Und dann war da gestern dieser Moment.
Zum ersten Mal habe ich etwas laut ausgesprochen, das ich tief in mir schon lange wusste.
Dass ich so, wie ich jetzt bin, nicht als Leitung arbeiten kann.
Allein diesen Satz laut auszusprechen, hatte eine Wirkung, mit der ich nicht gerechnet hätte.
Es fühlt sich an, als würde ich um etwas trauern.
Nicht unbedingt für immer.
Aber für jetzt.
Und vielleicht für einen längeren Moment.
Ich weiß nicht, wie lange.
Mir wurde gesagt, dass meine Fähigkeiten nicht verschwunden sind. Dass meine Eignung weiterhin da ist.
Aber im Moment kann ich sie nicht abrufen, nicht leben und nicht verlässlich einbringen.
Diese Erkenntnis schmerzt.
Und trotzdem glaube ich, dass es richtig ist, diesen Weg der Trauer zu gehen.
Auch wenn ich mir gleichzeitig manchmal die alte Mauer zurückwünsche, hinter der ich all das einfach wegsperren konnte.
(BTW: Das hat ja auch hervorragend funktioniert. 😉)
Ich weine in den letzten Tagen viel.
Etwas, das ich nie besonders gut konnte.
Das Bild in meinem Kopf ist im Moment ein Kompass, dessen Nadel sich unaufhörlich im Kreis dreht.
(Vielleicht eine weitere Idee für die Kunsttherapie. Die andere ist der Schuhkarton voller alter Erinnerungen.)
36 Tage.
Passend zu den aktuellen Temperaturen.
Oder zum Song von 2raumwohnung.
