„Mama, da sind Löcher in der Decke!” „Nein mein Schatz, das sind Sterne.“

Ich erinnere mich immer wieder an die Sätze meiner Mutter, wenn ich in den Nachthimmel schaue und die Sterne erblicke. Ich weiß nicht, wie alt ich war, als ich die Sterne für mich entdeckte, nicht so wie andere, die wissen, was sie mit drei Jahren gemacht haben. Meine Erinnerungen an meine Kindheit sind bruchstückhaft, kurze Episoden in denen ich lachte, weinte, Blödsinn machte oder mich an meine Familie erinnere, nicht mehr und auch nicht weniger.

 

Es gibt Momente, in denen ich diejenigen die sich an ihre Kindheit so lebhaft erinnern können, beneide und mir wünsche ich könnte dies auch. Ich halte nicht an der Vergangenheit fest, habe ich noch nie getan. Ich möchte die Vergangenheit auch nicht missen, hat sie letztlich dazu beigetragen, mich zu dem Menschen zu machen der ich heute und vielleicht auch morgen bin.

 

Wenn ich in den Nachthimmel schaue und der Sternenhimmel zu sehen ist, reise ich immer wieder in meine Vergangenheit zurück. Wie das Licht der Sterne, das uns erst jetzt erreicht und es kommt vor, dass ich Momente meiner Vergangenheit erreiche, ein wenig erhellt durch die Sterne und ich halte mich daran fest. Erinnere mich gerne und bewege die Momente in meinem Herzen.

 

In Gesprächen mit meiner Mutter stelle ich das eine oder andere mal fest, dass meine Erinnerungen ein Sammelsurium von Ereignissen sind. Nicht wild durcheinander gewürfelt, schon passend zu den Erinnerungen, aber nicht  für diesen speziellen Moment an den ich mich erinnere. Wenn ich mir dann anhöre, wie meine Mutter jenes oder welches erlebte, werden einige Erinnerungen klarer, andere hingegen verschwimmen stärker, passen nicht zu dem, was sich bildlich in meinem Kopf festgesetzt hat. Es ist eine Schatzsuche ohne Karte und ohne Kompass.

 

Wenn ich nun draußen so dastehe und die Löcher in der Decke betrachte, frage ich mich, ob nicht andere Augen aus diesen Löchern auf mich herabschauen und selbst einen Blick in ihre Vergangenheit werfen. Natürlich ist mir bewusst, dass das ein unsinniger Gedanke ist, aber ich empfinde ihn als spannend. Doch damals, als ich die Löcher in der Decke über mir entdeckte, als kleines Kind, fragte ich mich, ob nicht jemand hinter diesen dunklen Vorhang stehen würde und auf mich herabblickte.

 

Nun bin ich erwachsen, stehe in der kälte des Novembers und Blicke an meine Decke und freue mich darüber, dass die Löcher nach wie vor vorhanden sind und niemand sie gestopft hat.

 

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