Schwer lag die dunkle Wolkendecke auf der Erde. Blitze ließen sie erleuchten und der darauf folgende Donner erschauern. Die dicken Regentropfen schienen an der Glasscheibe zu kleben und versagten sich der Schwerkraft. Die Fingerspitzen ihrer rechten Hand hielten sich am dicken Saum der Gardine fest. Mit dem linken Zeigefinger zeichnete Sofia die Formen der Regentropfen auf der Fensterscheibe nach.

Der Donner ließ sie erzittern und ihre Finger griffen in den Stoff der Gardine.

Blondes, lockiges Haar. Den Kragen der blauen Sommerjacke aufgestellt verließ Björn das Grundstück. Sofia blickte ihm bis zur Straßenecke nach. Er bog ab und verschwand aus ihrem Blickfeld. „…ich wollte nicht…“ flüsterten ihre Lippen. Die anfänglich dicken Tropfen bildeten einen Wasserfilm auf der Fensterscheibe und einzelne Tropfen durchbrachen diesen. Sofia begriff nicht, was sich noch vor wenigen Minuten zwischen ihr und Björn abgespielt hatte. Ohne jegliche Vorwarnung brach der Boden vor ihr auf und drohte sie zu verschlingen.

„…wir sind einfach zu unterschiedlich…verstehst du?“ sagte Björn. Seine blauen Augen waren ausdruckslos. Gewichen war die Vertrautheit die Sofia sonst in ihm sah; das Spiegelbild ihrer Seele. Jetzt schloss sich die Tür, nein, Sofia sah selbst diese nicht mehr und drohte in den sich öffnenden Schlund der Traurigkeit zu versinken.

Dem Gewitter folgte ein seichter Wind und schüttelte die letzten Regentropfen von den Blättern.

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