Sofia zog sich die Schuhe aus und setzte sich in das hohe Gras. Mit ihrer Hand strich sie über die Grasspitzen und schloss die Augen bis sie das Kitzeln in ihren Handspitzen spürte. „Früher waren wir immer hier“, dachte Sofia und drehte Grashalme zwischen ihren Fingerspitzen. „Früher“ kam es halb verschluckt aus ihrem Mund. Sie legte sich auf den Rücken und blinzelte der Sonne entgegen, eine Träne floss ihr die Wange herunter und tropfte von ihrem Ohrläppchen auf den Boden.

Trotz der Sonne, die ihre Haut wärmte, hatte sie bei dem Gedanken eine Gänsehaut. Der Gedanke daran, als sie vor drei Wochen das letzte mal hier war. Sofia legte ihren Kopf zur Seite und schaute den Grashalmen dabei zu wie sie sich im Wind wogen. Es beruhigte sie, sie hielt den Atem an und meinte ein ‚Gute Nacht Lied’ zu hören, weit entfernt…kaum hörbar.

„Vor drei Wochen“, flüsterte sie den Grashalmen zu. Der Tag als sie ihn das letzte Mal sah.

Das gemeinsame Lachen auf der Wiese hallte immer noch nach, Sofia wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. In der ganzen Zeit hatte sie sich nichts anmerken lassen, kein Zeichen von Schwäche…nicht angreifbar sein. Einige schauten Sofia bereits fragend an, beim Tanken oder auch beim Einkaufen. Das Getuschel hinter ihrem Rücken nahm sie war, ohne Frage. Sie vermisste Henning, seine unbeschwerte Art, sein Lachen und das Gefühl der Geborgenheit, dass sie in seiner Nähe spürte.

Sofia lag noch immer im Gras; wie lange schon, wusste sie nicht, aber sie merkte, dass es kühler wurde und die Abenddämmerung bevorstand. Sie rieb sich die Augen und richtete sich auf. Sie blickte auf die kleine Ortschaft herab. Die Aussicht war Atemberauben und Sofia dankte innerlich dafür, dass sich kaum jemand hierher verirrt.

„Du Idiotin…du…“ Sofia schüttelte den Kopf und schlug das Gras neben sich auf den Boden. Sofia fragte sich wieso. Wieso konnte er nur so dumm sein, so leichtfertig…es brodelte in ihr. Hass kam auf. Hass auf die Welt, auf Henning…Sofia konnte nicht verstehen, wie man so was machen konnte, wenn ein Mensch da ist, der einen liebte, auf einen wartete.

Die Zeit in der Sofia stark sein musste, stark sein wollte war nun endgültig vorbei. Mit leerem Blick schaute sie der rot glühenden Sonne zu, wie sie langsam hinter dem Horizont verschwand. „Für immer werden wir zusammen bleiben“ diese Worte hatte Henning ihr an diesem Abend noch gesagt und sich mit einem Kuss verabschiedet.

„Für immer…“ flüsterte Sofia.

Sofia stand auf und ging zum Hang. Erste Lichter waren in der Abenddämmerung zu sehen. Sie fragte sich, wer die Lichter angemacht hatte und was gerade in den Häusern passierte. Wird Abendbrot gegessen, stritten sich Eltern oder telefonierte gerade jemand mit einem Freund…einer Freundin? Sie blickte dem Hang herab und schaute den Steinchen zu, die sie runter getreten hatte. In der Stille der Dämmerung hörte sie die Steinchen unten aufprallen.

Sofia schloss ihre Augen „Für immer…“ flüsterte sie. Drehte sich um und ging wieder zu dem Platz an dem sie ihre Tasche hatte stehen lassen. Die Tränen sind einem versteinerten Gesichtsausdruck gewichen.

Sie griff in ihre Tasche…seichter Wind hat die Haare in ihr Gesicht fallen lassen.

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