Als Sozialarbeiter lernt man im Studium empathisch, authentisch und zuhörend dem Gegenüber zu sein; die Menschen da abzuholen, wo sie emotional gerade stehen.

Dabei geht es um deren Ängste, Sorgen und nicht selten um andere Menschen die Schuld an dieser Misere sind.

Dabei spielt die Uhrzeit nie eine Rolle; erwartet wird, dass zu jeder Zeit ein Ansprechpartner da ist, der eine Patentlösung anbietet und mit einem Wisch alle Probleme löst, häufig mit der Erwartung, dass diese Menschen selber nichts verändern, geschweige selber dafür handeln müssen.

Im Arbeitsalltag bleiben nur wenige Geschichten hängen die einen berühren – auch dies wird im Studium erwähnt, Abgrenzung ist das Zauberwort.

Doch bleibt immer etwas haften. Anfangs werden diese wie Schuppen von den Schultern gewischt, aber auch dann bleibt ein kleiner Rest haften.

Ich genieße den Luxus, dass ich davon nicht schlecht schlafe oder abends lange darüber grübeln muss, aber sobald ich mich auf den Weg zur Arbeit mache, sind sie wieder da – die Gedanken an die Menschen die von mir erwarten, dass ich ihnen helfe, Gedanken an die Menschen, die nicht akzeptieren können, dass nur sie selber eine Lösung herbeiführen können und die Gedanken an die Menschen, die verzweifelt sind und keinen Ausweg mehr sehen.

…und manchmal wünschte ich mir, dass ich meine Emotionen wie eine Jacke an der Garderobe abgeben könnte.

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