„Es ist genau fünf Uhr drei….“

Ich würge sie ab, die Zeitansage im Radio…weiß eh wie spät es ist. Noch fünf Minuten bis zur zweiten Weckfunktion…drehe mich noch einmal um…Musik…undefinierbare Musik, irgend so ein Weichspüler-Pop!

Ich schalte den Wecker aus und hieve meine Beine aus dem Bett. Ganz schön frisch außerhalb der Bettdecke.

Der Kaffee ist bereits durchgelaufen…herrlich dieser Geruch…dank an den Erfinder des Timers!!!!

Ich schlurfe zum Kleiderschrank und hole einen Anzug heraus. Meine Wahl fällt auf den braun Melierten…gut für alle Gelegenheiten. Auf dem Weg ins Bad schaue ich in der Küche vorbei und hole dort meinen Kaffee ab…ein wichtiger Termin steht heute an….

Am Eingang des Kasinos „Schicksal“ begrüßt mich ein alter Bekannter.

Herr Verstand. Er fragt nach meinem Befinden und hält mir die Tür auf, damit ich eintreten kann.

Am Empfang erwartet mich bereits eine junge Dame. Frau Verlangen, die mir einen Becher Kaffee anreicht – heute schon den zweiten…was würde ich nur ohne sie tun? Wir müssen nicht miteinander sprechen, denn sie liest mir alles von den Lippen ab.

Entschlossen setze ich meinen Weg fort und steuere auf den Roulettetisch zu.

Herr Aberglaube fragt mich lächelnd, ob ich ein Spielchen wagen will!? Ich muss nicht lange überlegen: heute will ich auf die 4 setzen. Herr Aberglaube setzt das Roulette in Bewegung und legt kurz danach die Kugel hinein.

Das Kasino macht seinem Namen alle Ehre…die Kugel springt und dreht sich: unvorhersehbar, chaotisch, schicksalsgleich…

Nach einigen Sekunden bleibt die Kugel liegen.

….nein…die 4 ist es nicht. Die Kugel liegt bei der 11. Ich war mir doch so sicher! Herr Aberglaube lächelt mich an und sagt: „Diesmal leider nicht!“.
Ich stehe noch am Tisch und grübele über die Bedeutung der 11 nach, als plötzlich eine Gestalt neben mir erscheint.

Ich richte den Blick auf und ich sehe Herrn Schicksal…höchst persönlich! Er gibt mir die Hand und richtet mir Grüsse von Frau Liebe aus, die leider schon länger nichts mehr von mir gehört hat. Ich soll ihr unbedingt einen Besuch abstatten.

Herr Schicksal begleitet mich zum Ausgang. An den Türen angelangt sagt er zu mir: „Auch wenn unser Leben durch Zahlen bestimmt wird, entscheiden müssen wir selbst“.

Dann dreht er sich um und lässt mich einfach stehen.

Herr Verstand hält mir bereits die Tür auf und wünscht mir einen guten Tag. Ich verlasse das Kasino und stehe vor meiner Wohnungstür.

Der Tag kann beginnen.

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